MUSIQUE DE TENDRE

  • „Liebe ist ein Weg, der nur durch Aufmerksamkeit entsteht.“

    Madeleine de Scudéry

  • „Zärtlichkeit ist die leise Sprache des Herzens.“

    Madeleine de Scudéry

  • „Die wahre Gefahr der Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“

    Madeleine de Scudéry

DIE IDEE

Der erste von einer Frau verfasste Beziehungsratgeber für Männer – über das Gelingen einer dauerhaften Beziehung. Es klingt, als könnte dieser Ratgeber heute in einer Buchhandlung unter der Kategorie Feminismus stehen. Umso erstaunlicher ist es, dass er bereits im 17. Jahrhundert entstanden ist. In Form einer poetischen Landkarte entwarf Madeleine de Scudéry ein komplexes Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen und zeichnete den Weg zu einer zärtlichen und langlebigen Partnerschaft nach.

Unser Konzert „Musique de Tendre“ nimmt die reizvollen, teils tückischen und in jedem Fall herausfordernden Verlockungen zwischenmenschlicher Beziehungen in den Blick und macht sie durch affektgeladene Barockmusik erfahrbar.

Jede Person im Publikum erhält eine eigene Landkarte, die an das historische Bild der Carte de Tendre angelehnt ist. Mit dieser Karte begibt sich das Publikum auf eine musikalische Reise – zu den eigenen Beziehungen und durch den Konzertraum. Der Raum wird dabei als Konzertort neu definiert: Indem sich das Publikum zu bestimmten Zeitpunkten an den Ort begibt, an dem es sich emotional gerade befindet, wird der Raum selbst zu einer emotionalen Landkarte. So begegnet das Publikum einander und der Musik auf persönliche Weise.

  • Den Ankerpunkt der Reise bildet die Carte de Tendre, die Mitte des 17. Jahrhunderts im Roman Clélie von Madeleine de Scudéry entstand und im Programmheft abgedruckt wird. Auf dieser Landkarte werden verschiedene Stationen und Zustände einer gleichberechtigten Liaison allegorisch dargestellt. Wertschätzung, Zuneigung und Anerkennung bauen Brücken über Flüsse, die in ein gefährliches Meer fließen, während in der Umgebung von Stolz und Treulosigkeit hoch oben auf einem steilen Felsen eine graue, kalte Festung thront.

    Unser Konzert "Musique de tendre" greift den emanzipatorischen Gedanken der Carte thematisch auf. Sowie diese als ein Ergebnis der Salonkultur, die in ihrer Zeit in Frankreich in Form von Literatur- und Diskussionzirkel von Frauen aufblühte, gilt, verleiht das Konzert der Musik von barocken Komponistinnen eine gleichberechtigte Bühne. Der Gedanke, dass eine schöne zwischenmenschliche Beziehung nicht auf normativ vorgegebenen Werten beruht, sondern einer individuellen Reise, gleicht ist zeitlos.

  • Das Format eignet sich für ein historisch interessiertes Publikum, das Lust hat, sich auf etwas Neues einzulassen. Im Konzert werden einerseits der historische Hintergrund der Entstehung der Karte sowie die Lebensumstände der Frauen zur damaligen Zeit beleuchtet. Aufgelockert wird der Abend durch die Bewegung im Raum und neue Begegnungen, die durch den Austausch über die Karte entstehen. Da dieser Austausch jedoch auf freiwilliger Basis beruht, bleibt es jeder Person im Publikum selbst überlassen, ob sie das Format eher als Konzert erlebt oder sich gedanklich und schließlich auch räumlich auf die „Landkarte der Liebe“ begibt.

  • Maria Teresa Agnesi Pinottini: L’Insurbia Consolata- Introduzione Allegro - Andante

    (4:00)

    Élizabeth Jacquet de la Guerre: Prelude in a- moll, Cembalo solo

    Élizabeth Jacquet de la Guerre (c. 1664–1729): Sonata da camera c‑Moll - grave

    John Cage (1912–1992): 44 "Harmonies from Apartment House 1776" (1976) Harmony XXI "Heath, William Billings" Harmony III "Funeral Anthem"

    Élizabeth Jacquet de la Guerre (c. 1664–1729): Sonata da camera c‑Moll - Aria affettuoso

    Madame Papavoine (ca. 1735– nach 1767): Cantatille “Le Cabriolet”: Tempete

    (13:00)

    Isabella Leonarda (1620 bis 1704): Sonata duodezima d- moll (Geige, Continuo)

    Mrs. Philarmonica (18. Jhdt.): Trio Sonata g- moll

    Wilhelmine von Bayreuth (1709–1758): “Senza Aita” aus der Oper Agenore (Bearbeitung)

    Hildegard von Bingen (1098- 1179): Instrumental Lament (Cello, Geige)

    (15:00)

    — Zärtlichkeit, Zuneigung —

    Mrs. Philarmonica (18. Jhdt.): Sonata Quinta c‑moll (Vol. 2) II Largo

    — Treulosigkeit —

    Wilhelmine von Bayreuth (1709–1758): “Un certo freddo orrore”, aus der Oper Argenore (Bearbeitung)

    — Aufrichtigkeit —

    Élizabeth Jacquet de la Guerre (c. 1664–1729): Sonata d- moll, Aria (Bearbeitung)

    — Das gefährliche Meer —

    Mlle. Duval (c. 1718–nach 1775): Suite aus dem Ballett “Les Génies ou les caractères de l’amour” (Bearbeitung) II Ritournel – III Air pour Les Génies – V Tambourin

    (15:00)

    Ukrainisches Volkslied: Oy Vershe, Miy Vershe (Bearbeitung)

    (3:00)

  • Gesamtlänge: 60 Minuten Musik, 20 Minuten Moderation (optional länger und mit Pause)

    Technik: farbige Leuchtstäbe werden selber mitgebracht (falls kein farbiges Licht vorhanden)

    Materialien: Jede Person aus dem Publikum benötigt eine Karte. Sie kann in das Programmheft gedruckt werden, oder nach Absprache von uns ausgedruckt mitgebracht werden. Bleistifte werden vom Ensemble selber mitgebracht.